Wieder Geschichten schreiben. Ein schöner Gedanke. Und doch auch ein überwältigender.

Viele Monate war ich damit beschäftigt, den Blog neu zu gestalten. Habe mich von anderen Webseiten inspirieren lassen, wochenlang nach Schriftarten, Farben und Layouts gesucht. Mein Perfektionismus ist mir dabei mehr als einmal in die Quere gekommen. Aber ich habe gelernt, auch damit umzugehen. Jetzt ist in meinem Kopf wieder Platz zum Erzählen.

Doch kann ich mich überhaupt noch an alles erinnern? So viel ist passiert. Ich bin selbst gespannt, was ich aus meiner Erinnerung so ausgraben werde. Aus unseren Notizen, Fotos und Bildern, die in meinem und Flos Kopf herum geistern.

Als ich in Pai über unsere bisherige Reise nachgedacht habe und anfing, alles ein wenig zu sortieren und aufzuschreiben (Das Ergebnis kannst du im Menü unter „Die Reise“ lesen) und auch die ersten Seiten für ein Buch  füllte, habe ich unsere Reise ganz automatisch in 3 Kapitel eingeteilt. Nicht nur die Art zu reisen hat sich mit jedem Kapitel geändert, auch die Fragen, die wir uns stellten.

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Einmal um die Welt zu reisen war die Idee. Einige Jahre vorher hatten wir angefangen zu sparen und zu planen. Und dann haben wir uns einfach treiben lassen, immer weiter Richtung Osten, mit dem einzigen Wunsch, die Welt zu entdecken und verstehen zu lernen.

Doch irgendwann in Georgien haben wir gemerkt, dass uns das zu wenig ist. Zwar genossen wir die gefühlt unendliche Freiheit, die wir uns genommen hatten, doch wir wollten nicht einfach nur unser altes Leben in die Warteschleife stellen, ein paar Jahre durch die Gegend ziehen, um dann wieder nach Leipzig zu gehen und dort weitermachen, wo wir im Sommer 2015 aufgehört hatten. Die Freiheit des Herumreisens, die Gewissheit, dass wir nicht viel brauchen, um eine wunderbare Zeit zu haben und die ständige Bestätigung, dass alles möglich ist, wenn wir anfangen den ersten Schritt zu gehen, hat uns hungrig nach mehr gemacht.

Wir hatten zwar noch genug Geld, um locker mindestens 2 Jahre genauso weiter zu reisen und unsere Reisekasse dann in Australien wieder aufzufüllen (unser anfänglicher Masterplan). Aber wollten wir das wirklich? Für uns fühlte sich unsere Reise nach viel mehr als nur einer Pause an. Denn eigentlich war sie doch genauso unser Leben wie alles davor. Also hörten wir auf, unsere Reise als Unterbrechung vom „Ernst des Lebens“ anzusehen und überlegten wie wir unser Leben gern gestalten wollten.

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In dieser Zeit stießen wir das erste mal auf den Begriff „digitale Nomaden“. Eine immer größer werdende Gruppe an Menschen, die ortsunsabhängig von ihren Laptops aus arbeiten können. Einige nutzen diese Freiheit besonders, um die Welt zu entdecken.

Das Konzept faszinierte uns und wir beschlossen kurzerhand: Das probieren wir! Wenn es nicht klappen sollte, hatten wir ja immer noch genug Geld, um so weiterzureisen wie bisher. Oder einfach einer anderen Idee nachzugehen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Deutschland, starteten wir dann wieder auf eine neue, ungewisse Reise. Eine Zeit ohne Wildzelten, monatelangem Trampen und schnellen Ortswechseln. Dafür aber voller Neugier, ob auch wir uns in dieser neue digitale Arbeitswelt zurecht finden würden. Wir blieben nun viel länger an einem Ort als zuvor und konnten die Länder, in denen wir lebten wieder auf eine ganz andere Art kennenlernen.

Wir haben uns sebstständig gemacht, Gleichgesinnte getroffen und unglaublich viel gelernt. Und der Plan ging auf, wir feierten erste Erfolge und erreichten weit mehr, als wir uns zu Beginn dieses neuen Kapitels ausgemalt hatten.  Doch wie sollte es für uns weiter gehen? Wollten wir immer noch so lange weiter Richtung Osten reisen, bis wir wieder in Deutschland ankommen?

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Und wieder war es ein Besuch in Deutschland, der uns den entscheidenden Schubs in eine neue Richtung gab. So formte sich im Herbst 2017 langsam eine Antwort auf unsere Fragen. Wir sehnten uns nach mehr Struktur in unserem Alltag. Einem Ort, den wir unser Zuhause nennen können. Mit eigenem Arbeitsplatz, der sich nicht alle paar Wochen ändert und meist improvisiert ist. Einem Ort, wo wir unsere Sachen lassen konnten, auch während wir auf Reisen sind. Wir wollten an einem Ort leben, an dem wir all das verarbeiten können, was wir in den letzten zwei Jahren erlebt hatten. Denn unser Leben hatte sich ganz schön auf den Kopf gestellt.

Doch von der Reise verabschieden wollten wir uns nicht. Wir hatten noch lange nicht genug davon, neue Länder zu entdecken und in andere Kulturen einzutauchen. Doch wo wollten wir bleiben?

Viele kleine Zufälle haben uns im November 2017 in einen Flieger nach Teneriffa steigen lassen. Weiter ging es mit der Fähre nach El Hierro – der kleinsten und wildesten der kanarischen Inseln. Und nun sind wir immer noch hier. Wohnen in einem kleinen Steinhäuschen am Rande eines 1000-Einwohner Dorfes. Es ist wunderbar ruhig hier. Und wenn wir Glück haben, können wir an einem klaren Tag bis nach La Palma blicken.

Im Sommer 2015 starteten wir auf eine Reise, von der wir ein Jahr später Abschied nahmen. Abschied, von dem Traum einmal um die Welt zu trampen. Nur 5€ pro Tag auszugeben, zu zelten und keine Flugzeuge zu benutzen. Doch zeitgleich startete für uns ein neues Abenteuer. Wir wurden zu digitalen Nomaden, die mit ihren Laptops um die Welt zogen. Auf El Hierro ging auch diese Reise zu Ende. Doch eine neue hat schon begonnen.

Ich werde dich in den nächsten Monaten wieder mit auf die Reise nehmen. Damit wir gemeinsam durch alle Kapitel gehen. Und ich dir zeigen kann, welche Erlebnisse und Begegnungen es waren, die uns verändert haben und uns dorthin gebracht haben, wo wir nun stehen.

 

Wenn du mehr über unsere Zeit auf El Hierro erfahren willst und darüber, warum uns diese kleine Insel nicht mehr loslässt, dann trag dich einfach für unserer Sonntagspost ein: