Ruhe, Natur und ein Zuhause auf Zeit. Mit diesen Wünschen im Kopf schreiben wir Sibel über Helpx an. Den gesamten Dezember möchten wir auf ihrer Bio-Oliven-Farm in der Nähe von Izmir für Kost und Logis mit anpacken. In den fünf Wochen, die wir letztendlich hier verbringen, finden wir all dies zu Genüge. Mehr noch: Wir verlassen Sibels Farm mit der Gewissheit, hier unser eigenes kleines Paradies entdeckt zu haben.

Die Farm Urla Hasat

In der Türkei angekommen, machen wir uns am 4. Dezember 2015 von der Hafenstadt Çeşme auf den Weg nach Urla. Rund um die kleine Stadt an der ägäischen Küste, gibt es sehr viele Olivenfarmen – unter anderem auch Urla Hasat. Eine holprige 30-minütige Fahrt von Urla entfernt, befindet sich unser 60 Hektar großes Zuhause für die nächsten Wochen.

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Ein kleines Steinhäuschen und ganz viel Grün – Unsere kleine Farm irgendwo im Nirgendwo

Urla Hasat ist eine Familienfarm, die von Generation zu Generation weiter geführt wird. Bevor Sibel die Farm von ihrem Vater übernahm, lebte sie jahrelang in Istanbul. Doch die riesige Stadt hat ihr mit der Zeit die Energie und Freude geraubt. Abseits von all dem Lärm und der Hektik, hat sie auf der Farm nun ihre Berufung gefunden.

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Sibel hat die Farm vor einigen Jahren von ihrem Vater übernommen

Sibels Mama ist die gute Seele der Farm und für das leibliche Wohl aller verantwortlich. Dieser Aufgabe nimmt sie sich mit Herzenslust an und es vergeht kein Tag, an dem wir nicht pappsatt und zufrieden ins Bett fallen.

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In der Küche wird den ganzen Tag gebacken und gebrutzelt: Hier zaubert Sibels Mama ein leckeres Mahl nach dem anderen

Unser neues Zuhause

Ein paar Meter vom Haupthaus entfernt, beziehen wir unsere Wohnung über dem Futterlager. Da wir die einzigen Helfer auf der Farm sind, haben wir sie ganz für uns allein.

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Unten lagert das Futter – Oben wohnen wir

Und wieder einmal, können wir all unsere Sachen aus den Rucksäcken holen und in Regale sortieren. Mal nicht wühlen zu müssen, um etwas zu finden, ist auch eine schöne Abwechslung zum sonstigen Nomadenleben.

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Die Rucksäcke werden geleert und alles bekommt seinen Platz

Nach den ereignisreichen letzten Wochen und Monaten tut es unglaublich gut, einfach nur die Natur und Stille um uns herum zu genießen.

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Olivenbäume wohin das Auge reicht

Leider gibt es auf der Farm keine Zentralheizung und unser kleiner Heizlüfter schafft es manchmal kaum, das Zimmer aufzuheizen. Zum Glück müssen wir nur die Tür öffnen, um ein wenig extra Wärme von diesen pelzigen Heizkissen zu bekommen.

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Sobald wir die Tür öffnen werden wir mehrstimmig schnurrend begrüßt

Die Tiere

Schafe, Hühner, Enten, Gänse, Pferde, Katzen, Hunde und Esel: Die Tiere der Farm haben unsere Herzen wirklich im Sturm erobert. Alle haben übrigens ihre Namen von ehemaligen Freiwilligen bekommen. Wir dürfen dem verrückten jungen Esel einen Namen aussuchen. Da er wirklich alles was ihm zwischen die Beißer kommt anknabbert, taufen wir ihn schließlich auf Chewie (engl.: to chew = kauen). Ähnlichkeiten zu einer gewissen Star Wars Charaktere sind natürlich auch nicht von der Hand zu weisen.

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Chewie mit seiner Mama

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Die Schafe haben regelmäßig versucht, in den Futterstall einzubrechen und uns damit in den Wahnsinn getrieben

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Tomcat und Bulgur

Wahrscheinlich haben wir noch nie so viele glückliche Tiere auf einem Haufen gesehen (abgesehen vielleicht von den regelmäßigen Machtkämpfen zwischen Gänsen und Enten). Mit wahnsinnig viel Platz zum Austoben und ohne um ihr Leben fürchten zu müssen. Denn die Tiere werden nicht für ihr Fleisch gehalten. Als Rasenmäher, Wollelieferant, Düngerhersteller, Mäusefänger, Wachposten, Eierproduzent oder morgendlicher Wecker erfüllt jedes Tier seine ganz eigene Aufgabe.

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Die Hähne haben Flo um den einen oder anderen ruhigen Schlaf gebracht

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Blue und Little Dog (Red ist gerade aus dem Bild gerannt…)

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Diese beiden sind mir manchmal ganz schön auf die Pelle gerückt

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Mobbing auf der Farm: Die Enten hatten mit diesen Gänsen nichts zu lachen

Die Arbeit

Mit Sibel und ihrer Familie ist kein Arbeitstag wie der andere. Sie sorgt dafür, dass uns wirklich nie langweilig wird. Auf der Farm sind wir jeden Tag für das Wohl der Tiere zuständig. Wir geben Futter, tauschen Wasser aus, trainieren die Hunde, sammeln Eier ein und verteilen ganz viele Streicheleinheiten.

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Wir genießen die körperliche Arbeit an der frischen Luft

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Red und Blue beim Essen-Klauen

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Frischwasser-Nachschub

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Enten- vs. Gänseei

Zwar ist die Olivenernte im November schon beendet, doch das heißt nicht, dass es in den anderen Monaten nichts zu tun gibt. Denn ab Dezember werden die Bäume zurück geschnitten, wir sähen und jäten im Gemüsegarten, bauen Zäune und Wege, sammeln Beeren oder legen Oliven ein.

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Es gibt immer was zu tun

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Eine von vielen Arten Oliven schmackhaft zu machen (roh schmecken sie fürchterlich): Mit dem Hammer wird das Olivenfleisch bis zum Kern aufgebrochen und die Oliven werden dann für einige Wochen in eine Lösung aus Salzwasser und Zitronensaft eingelegt

Arbeit gibt es auch im Urla Hasat Café und Shop, die Sibel zusammen mit ihrem Bruder führt. Für den Jahreswechsel stellen sie viele Geschenkkörbe mit den Urla Hasat Produkten (eingelegte Oliven, Olivenöl, Olivenölseifen, Kräutermischungen etc.) zusammen. Und dafür gibt es natürlich einiges zu tun.

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Basteln für den Urla Hasat Shop

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Wir assistieren beim Produkt Shooting

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Geschenkkörbe packen und Olivenölflaschen etikettieren: Arbeit im Urla Hasat Café

Das Essen

Besonders beeindruckt sind wir von dem ganzen leckeren vegetarischen Essen mit dem uns Sibels Mama tagein und tagaus verwöhnt. Das fängt beim Frühstück mit frisch gebackenen und geröstetem Brot mit unterschiedlichsten selbst gemachten Marmeladen und Aufstrichen an und hört beim Abendessen, bei dem es nie weniger als drei verschiedene Gerichte gibt, auf. In alles steckt sie viel Zeit und Liebe hinein und teilt gern ihre traditionellen Rezepte und Zubereitungsmethoden mit uns.

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Heiligabend werden wir mit unserem Lieblingsessen überrascht

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Von Börek bis Bulgur – Während unserer Zeit auf Urla Hasat lernen wir viel über die Zubereitung traditioneller türkischer Gerichte

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Aber auch wir können den beiden ein paar unserer Rezepte zeigen

Freizeit und Ausflüge

Zwar haben wir jede Woche einen freien Tag, an dem wir machen können was wir wollen. Doch der Tag auf den wir uns jede Woche am meisten freuen ist Freitag. Denn Freitag ist Basar- und Ausflugstag: Wir füllen die Farmvorräte mit leckerem Obst und Gemüse, besichtigen mit Sibel archäologische Ausgrabungen, verkosten Wein oder schlemmen französische Leckereien in Sibels Lieblingscafé.

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Jeden Freitag geht es auf den Basar

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Besichtigung der Ausgrabungen und Rekonstruktionen der antiken Stadt Klazomenai: Olivenölpresse und Lagerräume

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Weinprobe auf dem Bio-Weingut Sonnet in Urla

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Irmik Hanim Pâtisserie

Doch manchmal ist es genug, die Umgebung der Farm zu genießen, in der Hängematte zu liegen oder die Tiere zu beobachten. Und am schönsten ist es immer noch, nach einem anstrengenden Tag mit Sibel zusammen zu sitzen, sich auszutauschen, neue Kartenspiele zu lernen oder einfach zusammen zu schweigen.

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Flo und Bulgur genießen das Leben

Der Abschied von Sibel und Urla Hasat ist uns schwer gefallen. Wir haben uns hier wirklich sehr wohl und wie ein Teil der Familie gefühlt. Wir hoffen, dass wir irgendwann in der Zukunft noch einmal diesen holprigen Weg zur Farm nehmen werden, um dieses kleine Paradies für eine Weile wieder unser Zuhause nennen zu können.

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Çok teşekkürler, Urla Hasat!